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Offensive Tanz

Tanzbotschafterin Jalda

Slam Battle & Club Oval

Ein Erlebnisbericht

Tanzbotschafter*innen Jalda und Nele mit Finalistin Mashka Antonuik des Club Oval

Die ersten Tanzveranstaltungen, die ich als Tanzbotschafterin besuchen durfte, waren zwei Battles die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Gemeinsam mit ein paar Freundinnen habe ich das Slam-Battle im Theater Strahl besucht. Als wir in den gemütlichen Raum kamen, war es schon sehr voll und wir konnten uns nur noch zwischen andere Zuschauer*innen auf den Boden quetschen. Dafür saßen wir ganz nah an der Bühne und konnten die verschiedenen Teilnehmer*innen beobachten: junge und ältere, professionelle und welche, die zum ersten Mal auf der Bühne standen (einer der Teilnehmer*innen wurde sogar erst kurz zuvor auf der Straße angesprochen). Eingeleitet wurde der Abend von zwei motivieren Moderatoren, die ausführlich den Ablauf und die Regeln des Battles erklärten. Außerdem wurde der Beat-Boxer Mando vorgestellt, der eins meiner persönlichen Highlights bildete. Er allein produzierte mit seinem Mund die Musik für den ganzen Abend und machte sehr besondere Geräusche, die zum Beispiel an Möwen oder gluckerndes Wasser erinnerten.

Die Namen aller Teilnehmer*innen wurden zusammen geschmissen und gezogen, wodurch zufällige Paare gebildet wurden, die jeweils gegen ein anderes Paar antraten. Die Poetry-Slammer*innen begannen mit ihren bereits im Voraus geschriebenen Texten. Für mich war es das erste Mal, dass ich Poetry Slam live gehört habe und als Person, die selber gerne schreibt, war es sehr inspirierend. Die Texte behandelten vor allem schwere Themen und waren teilweise sehr  persönlich, sie erzählten beispielsweise von der dementen Mutter oder dem ersten Treffen mit der unbekannten Schwester. Im Anschluss an den Poetry-Slam hatte der/ die Tänzer*in kurz Zeit sich mit dem Beat-Boxer abzusprechen. Der Tanz wurde improvisiert und sollte das Gedicht des Partners, der Partnerin kreativ aufgreifen. Die traurigen Texte beeinflussten natürlich die tänzerische Umsetzung und mir fiel auf, dass besonders Impulse, Kreisläufe und der Kontrast zwischen Fallen lassen und wieder aufstehen wiederkehrende Elemente waren. Jedoch variierte alles trotzdem sehr je nach Tanzstil, denn von Hip Hop bis Experimentell war alles dabei.

Slam Battle im Theater Strahl © René Löffler

Erfrischend fand ich es dennoch, dass am Ende noch ein paar lustige, aber trotzdem tiefsinnige Poetry Slams vorgetragen wurden, durch die auch sehr unterhaltsame Tänze zustande kamen.

Auch wir als Publikum bildeten ein Teil des Battles, da einige Zuschauer*innen Schilder mit Zahlen von eins bis zehn erhalten hatten, darunter auch meine Freundinnen und ich. Nachdem jeweils zwei Paare angetreten waren, sollten wir mit den Schildern die Auftritte bewerten. So wurde entschieden, wer weiterkommt. Als nur noch zwei Paare übrig waren, ging es in eine zwanzigminütige Pause, in der wir Zuschauer*innen tanzen durften und die übrigen Teams einen Poetry Slam schreiben und sich eine Choreografie ausdenken mussten. Die Ergebnisse waren beeindruckend und beide Teams hätten den Sieg verdient. Alles in allem war es ein sympathischer und schöner Abend.

Club Oval

Club Oval © René Löffler

 Eine Woche später fand das Crossover Dancebattle Club Oval im Jungen Tanzhaus Berlin statt. Schon der Raum wirkte ganz anders als der im Theater Strahl. Er war größer und um die bekannte ovale Bühne saßen oder standen alle herum. Es war auch sehr voll aber die Atmosphäre erinnerte mehr an eine Party mit Bar und bunten Scheinwerfern.

Der Moderator stellte zu Beginn die beiden Jury-Mitglieder vor und beide demonstrieren kurz ihre Tanz-Skills, wofür es viel Applaus gab. Dann ging es los mit drei Gruppen, die ihre Choreografien zeigten. Diese waren sehr verschieden, eine der Gruppen hatte einen sehr experimentellen Stil, in dem die Tänzerinnen ihre Körper beeindruckend verbogen und schon fast ein bisschen unheimlich dabei wirkten. Da die Tanzenden von allen Seiten vom Publikum umgeben waren, standen sie einem oft mit dem Rücken zugewandt, vor allem weil meine Freundin und ich gegenüber von der Jury saßen, was etwas schade war.

Anschließend folgte der Solo-Teil, bei dem es sehr viele Teilnehmer*innen gab, was aber leider dazu führte, dass diese nur 40 Sekunden auf der Bühne hatten. So gab es extrem viele Eindrücke, aber mir ist nur wenig davon im Kopf geblieben. Ich hätte weniger, aber etwas längere Auftritte vermutlich besser aufnehmen können. Was mir jedoch in Erinnerung geblieben ist, waren die vielen super beeindruckenden Breakdancer. Zuvor hat mich der Tanzstil noch nie so sehr begeistert, aber bei diesem Battle fand ich die Mischung aus komplizierten Drehungen und spielerischem Bezug zum Publikum wirklich herausragend gut. Einige Teilnehmer*innen erkannte ich noch vom Slam-Battle, die Stimmung war jedoch kompetitiver, als im Theater Strahl, was vielleicht damit zusammenhing, dass alle Tänzer*innen in einer ähnlichen Altersgruppe waren und schon erfahrener wirkten.

Improvisierten Duette

Nach den Solos kam mein persönliches Highlight: die improvisierten Duette. Es wurden immer zwei Tänzer*innen gezogen, die zu einer nicht ihrem Tanzstil entsprechenden Musik tanzen mussten, beispielsweise zu Klassik oder Rock. Es war unterhaltsam und ich hatte das Gefühl, dass die Tanzenden auch richtig Spaß hatten.

In den Pausen legte der DJ auf und es wurde viel getanzt, was ich gerne mag, da ich nach den Performances immer besonders inspiriert bin. Nach der letzten Pause hatte die Jury vier Tänzer*innen fürs Finale ausgewählt. Zwei davon waren Breakdancer die mich nochmal total überzeugt haben. Anschließend sollten die vier den Raum verlassen und das Publikum stimmte ab, wer gewinn soll. Ich war für die talentierte Breakdancerin Mashka Antonuik, die die Solos tatsächlich gewonnen hat. Wir haben auch ein Foto mit ihr gemacht.

Das Battle hat mich tänzerisch noch mehr beeindruckt als das erste, aber beide Erfahrungen waren auf ihre Art super spannend.

Club Oval © René Löffler

Das Slam Battle mit Theater Strahl ist ein Projekt der Offensive Tanz für junges Publikum Berlin, gefördert durch TANZPAKT Stadt-Land-Bund, Mittel des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit herzlichem Dank an Club Oval.