Tanzbotschafterin Celine
Im Wal
Zwischen Wal, Wasserwelt und Kinderfantasie – Ein Vormittag mit „Im Wal“ im Kulturhaus Karlshorst
1.07.2026
Tanzbotschafterin Celine
1.07.2026
“Im Wal” ein Tanztheater Stück für Kinder ab 4 Jahren von dem Kollektiv ”OOPSALA”. Das Kollektiv setzt sich aus 4 Berliner Künstler*innen zusammen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht Kindern Tanz interaktiv und mit Spaß näherzubringen. Sie beschäftigen sich mit klimapolitischen Themen und lassen dabei den Kindern ihrer Fantasie freien Lauf.
Bereits die Anreise begann aufregend, denn die Berliner S-Bahnen fuhren an diesem Morgen alles andere als zuverlässig. Trotzdem erreichte ich das Kulturhaus rechtzeitig. Noch bevor ich das Gebäude betrat, rannte ein junger Mann vor mir hinein – offenbar hatte auch er dasselbe Ziel. Im Foyer wurden wir herzlich empfangen und direkt in den Saal begleitet.
Schon vor Beginn herrschte eine besondere Atmosphäre. Rund um mich herum warteten zahlreiche Grundschulklassen und Kitagruppen voller Vorfreude auf den Einlass. Die Kinder saßen auf dem Boden, unterhielten sich aufgeregt und konnten es kaum erwarten, dass es losging. Nachdem ich die drei Performerinnen begrüßt hatte, nahm ich auf meinen Platz ein. Kurz darauf strömten die Kinder in den Saal – laut, neugierig und voller Energie.
Mit dem Erlöschen des Lichts begann eine ruhige, fast traumartige Reise in eine Unterwasserwelt. Die drei Tänzerinnen erschienen mit großen Plastikfolien und Tüten, die an schwebende Quallen erinnerten. Langsame, fließende Bewegungen ließen das Meer auf der Bühne lebendig werden. Während ich diese poetischen Bilder als sehr stimmungsvoll empfand, reagierten viele Kinder mit Kichern und Gelächter. Im anschließenden Gespräch erzählten mir die Künstlerinnen, dass sie diese Reaktion ebenfalls überrascht hatte. Für sie war diese Szene romantisch und friedlich gedacht – ein schönes Beispiel dafür, wie unterschiedlich Kinder und Erwachsene dieselben Bilder wahrnehmen können.
Schon nach kurzer Zeit wurden die Kinder selbst Teil der Aufführung. Gemeinsam lernten sie einfache Handzeichen wie „Stopp“ oder „Alles okay“, denn unter Wasser könne man schließlich nicht sprechen. Auf die Frage, ob sie gekommen seien, um tauchen zu lernen, rief ein Junge spontan: „Dabei ertrinke ich doch immer!“ Dieser unerwartete Kommentar sorgte für großes Gelächter und lockerte die Stimmung zusätzlich auf.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir
ein Junge mit Warnweste. Er war voller Bewegungsdrang und suchte immer wieder
den Weg auf die Bühne. Später erfuhr ich, dass er Autist ist. Während viele
Erwachsene vielleicht versucht hätten, ihn zurückzuhalten, schien die offene
Struktur des Stücks ihm Raum zu geben, sich auf seine ganz eigene Weise
einzubringen.
Ein besonders berührender Moment entstand, als die Performerinnen im Verlauf
der Geschichte vom Wal verschluckt wurden. Nach zahlreichen Versuchen, wieder
herauszukommen, waren sie erschöpft. Sie deckten sich mit den Plastikfolien zu
und legten sich zum Schlafen. Genau in diesem Moment lief der Junge auf die
Bühne, betrachtete die Szene aufmerksam, nahm sich ebenfalls eine Folie, legte
sich neben die Tänzerinnen und deckte sich sorgfältig zu. Ohne ein Wort wurde
er Teil dieses stillen Bildes. Es wirkte weder störend noch aufgesetzt –
vielmehr entstand ein sehr ehrlicher, fast magischer Augenblick.
Später verwandelten sich die drei Tänzerinnen unter der Folie in ein langes,
raupenähnliches Wesen, das sich durch den Raum bewegte. Auch hier schlüpffte
der Junge unter die Folie und wurde Teil des Monsters. Erst als sich dieses
wieder auflöste, verließ er die Bühne und wurde freundlich von seinen Erziehern
empfangen.
Zum Abschluss stellte sich die Frage, wie die Tänzerinnen den Wal verlassen
könnten. Die Kinder entwickelten begeistert die unterschiedlichsten Ideen:
herausspringen, einen Turm bauen oder sich gegenseitig helfen. Die kreativste
Antwort kam jedoch von einem Jungen, der vorschlug, den Wal einfach zu kitzeln,
damit er sie ausspuckt. Genau so geschah es schließlich.
Nach dem Ende der Geschichte durften alle Kinder selbst mit den Plastikfolien
experimentieren, tanzen und die Materialien entdecken. Der Applaus war groß,
und viele Kinder wollten den Saal gar nicht verlassen – einige wünschten sich
sogar eine Zugabe.
Mir persönlich hat „Im Wal“ sehr gut gefallen. Besonders beeindruckt hat mich
die fantasievolle Bildsprache und die Herzlichkeit der drei Performerinnen. Im
anschließenden Gespräch erhielt ich spannende Einblicke in ihre Arbeitsweise.
Außerdem erfuhr ich, dass das Stück von der spanischen Produktion „Plankton“
inspiriert wurde.
Einen kleinen Kritikpunkt hatte ich dennoch. Die vielen partizipativen Momente
während der Aufführung führten immer wieder dazu, dass Unruhe entstand. Bis
alle Kinder wieder auf ihren Plätzen saßen, verging oft einige Zeit, wodurch
der Erzählfluss mehrfach unterbrochen wurde. Ich könnte mir vorstellen, dass
gebündelte Mitmachphasen – beispielsweise stärker am Ende – die Wirkung des
Stücks noch verstärken würden.
Dennoch überwog für mich eindeutig der positive Eindruck. „Im Wal“ verbindet
Tanz, Fantasie und interaktive Momente auf eine sehr liebevolle Weise. Es
zeigt, wie unterschiedlich Kinder Kunst erleben, wie wertvoll spontane Momente
sein können und dass manchmal gerade die ungeplanten Augenblicke die stärksten
Erinnerungen hinterlassen.
Du hast Interesse auch Tanzbotschafter*innen zu werden, dann melde dich beim Canan Erek: info@purple-festival.de