Von Tanzbotschafterin Celine
Ich kann´s nicht lassen
Stückbesuch beim Purple Tanzfestival
25.01.2026
Von Tanzbotschafterin Celine
25.01.2026
Das Stück "Ich kann´s nicht lassen" von Janne Gregor war zum PURPLE Tanzfestival 2026 eingladen. Tanzbotschafterin Celine war vor Ort und hat es sich angeschaut.
Ein kalter Abend mitten in Berlin Neukölln. 19 Uhr startete die 50. Performance von ”Ich kann's nicht lassen” im Jungen Tanzhaus Berlin. Wir waren überpünktlich da, aber vor Ort herrschte komplette Stille, erst kurz vorher wurde es trubelig. Die Besonderheit an diesem Abend, es war eine Familienvorstellung, daher gab es ein gutes Gleichgewicht zwischen Kindern und Erwachsenen. Es war sehr vielfältig, weil verschiedene Generationen für einen kurzen Moment in einem Raum interagiert haben.
Kurz vor Beginn durfte man sich mit leuchtenden Tapes künstlerisch bekleben, dann ging es hoch zum Ort des Geschehens. Ein Schritt ins Ungewisse, denn man sah nichts von einer Bühne oder einer Tanzfläche. Hinter schwarzen Vorhängen kam der Ort der Show erst zum Vorschein. 4 Tänzer*innen, jeweils einer Ecke und in ihrer eigenen Welt gefangen, wurden erst mit der Zeit zu einem Team. Die Musik war für viele laut und ungewöhnlich. Es wirkte erst wie in einem Museum. Das Publikum war eingeladen rumzulaufen und sich jeden einzelne*n Tänzer*in anzuschauen. Dann plötzlich gab es die erste Befreiung eines Performers in der Mitte des Raums. Es ging los.
Die Idee mit den Linien gab eine gute Orientierung und sie luden ein sich mitzubewegen. Wir wurden aufgeteilt in zwei Gruppen und jeder hatte seine eigene Linienführung. Die Performer*innen machten jeweils die Bewegungen vor und wir machten sie nach. Was für mich leider sehr verwirrend war, war das man nach einiger Zeit etwas die Orientierung verlor und nicht mehr wusste, welche Bewegung gerade gemacht wurde. Daher ging die Energie des Stückes etwas nach unten, weil man nur mit der Suche beschäftigt war, wo es langgeht und was man macht. Man hat die Verwirrung im Publikum gesehen, und viele haben dadurch auch aufgehört mitzumachen und blieben stehen. Der Flow ging dadurch verloren für mich.
Das Stück fing sehr stark an, aber es ließ mit der Zeit etwas nach, weil man so orientierungslos war. Die Erfahrungen, die man körperlich machen durfte, war großartig, weil viele bisher noch keinen Bezug zum Tanzstil Krump haben und es noch nicht so bekannt ist. Es fühlt sich ungewöhnlich an, aber es mal selbst spüren zu dürfen war klasse.
Es gab in dem Stück ein paar kleine süße Momente, an die ich mich immer wieder gerne erinnere. Generell war es toll zu sehen wie die Eltern und Kinder eine unbeschwerte Zeit hatten und man die klassische Rollenverteilung komplett vergaß. Die Eltern hatten Spaß und auch die Kinder. Natürlich habe sie auf die Kids geachtet, aber sie konnten sich selbst auch mal so richtig ausleben. Am Anfang des Stückes kam es zu einem Punkt, wo die Peformer*innen einen Kreis in der Mitte des Raumes bildeten. Am Anfang saßen sie zwischen uns und schauten uns aufmerksam an. Dann plötzlich kreuzte einer der Performer*innen die Kreismitte und dann der nächste. Das erste mutige Kind verstand es sofort und sprang auf und kreuzte auch. Zu meiner Überraschung begannen dann auch die Erwachsenen zu kreuzen und es entstand ein kleines Wirwarr. Ein kleines sortiertes Chaos. Mein kleiner Glücksmoment!
Was ich persönlich mitnehme, ist, dass ich noch mehr in die Krump Welt eintauchen möchte, damit ich die Hintergründe und die Gefühle besser verstehen kann. Ich habe noch nicht viele Krump Stücke gesehen, bin aber sehr interessiert daran mehr zu erfahren.