Von Tanzbotschafterin Celine
Einmal durch unsere ganzen Sinne streifen
"SINNich" vom Kollektiv "baff" im Feld Theater für junges Publikum
27.02.2026
Von Tanzbotschafterin Celine
27.02.2026
Donnerstagmorgen - ich stand viel zu früh vor dem Theater. Ich ließ meine Gedanken streifen und entdeckte dabei eine Gruppe Kinder, die wie sich später herausstellte, auch das Stück anschauen würden. Sie spielten ausgelassen auf dem eisigen Untergrund. Ganz unbekümmert und ohne daran zu denken, dass es sehr kalt und glatt war. Ich spürte plötzlich den Drang in mir auch so zu sein. Aber meine Vernunft sagte mir, „bei der Glätte renne ich besser nicht“. Ich blickte Richtung Theater und sah die Schneedecke, die alles unter sich vergrub. Plötzlich ein Geistesblitz. Ich fing an einen kleinen Schneemann zu basteln. Mit ganzem Stolz stellte ich ihn dann auf einen Stein direkt vor dem Feld Theater. Meine Hände waren komplett eingefroren, aber ich war bereit das Stück ein wenig mehr mit Kinderaugen zu betrachten.
Im Vorraum herrschte reges Treiben und es war sehr wusselig. Nach einer kurzen Einführung auch in Gebärdensprache durften wir in den kleinen süßen Saal eintreten. Mein erster Blick fiel direkt auf die Bühne, wo es ebenfalls schon sehr wusselig zuging. Ich freute mich auf das Stück, weil ich das Stück ”Dingen! Dingen!” von der Gruppe baff schon kannte und das Konzept dahinter total spannend fand. Was mich so begeistert an dem Trio ist nicht nur der kleine lustige Fakt am Rande, dass beide Performer Jan heißen, sondern, dass sie Stücke für nicht hörendes und hörendes Publikum machen, da Jan Kress selber gehörlos ist und das meiste auf der Bühne in Gebärdensprache übersetzt. In unserem Fall an diesem Tag war sogar eine Gruppe da, welche nicht-hörend waren.
In diesem Stück hier ging es darum alle Sinne besser kennenzulernen. Das Bühnenlabor war eröffnet. Ingesamt lagen 5 Experimente vor uns. Nach einer kurzen Einführung startete schon das erste Experiment.
Experiment 1: Sehen – Fliege
Wir erlebten direkt, wie eine Fliege sieht. Spannend an jedem Experiment war, dass es nicht nur durch Tanz dargestellt wurde, sondern wir vorab jeweils sehr interessante Informationen zu dem jeweiligen Sinn bekamen.
Experiment 2: Hören - Fledermaus
Mit einer sehr humorvollen Art und auch die Auswahl an Kostümen und Requisten wurde uns erklärt, wie eine Fledermaus hört. Sie kann nämlich einen Ton von sich geben, ohne dass wir Menschen es hören. Dieser Ton trifft dann auf ein Hindernis und kommt dann wieder zu ihr zurück. Die Kombination aus Information durch Sprache und Gebärdensprache und einer tänzerischen Szene machten jedes Experiment vollkommen.
Experiment 3: Riechen – Hund
Ein Hund kann bis zu 100.000-mal besser riechen als wir Menschen. Wir haben nur 5-6 Millionen Riechzellen. Da kann man sich ja denken wie viele ein Hund hat. Sehr humorvoll war es, weil der Hund kein Hund war, sondern ein Staubsauger und lasst mich eins gesagt haben auch dieser Hund wollte Bällchen spielen. Mein Gott habe ich lachen müssen, weil ich direkt meine kleinen chaotischen Fellnasen vor Augen hatte, mit dem Unterschied das meine mir nicht das Bällchen wiederbringen würden. Aber das Hinterherlaufen und alles war sehr passend.
Experiment 4: Schmecken – Wels
Aufregend war es, weil man mit dem Wels kaum Berührungspunkte hat. Ein Wels schmeckt über seinen Körper. Krass interessant. Besonders in diesem Experiment gefiel mir das Bühnenbild und das Kostüm als Wels. Highlight für alle war vermutlich der große Donut. Ich muss dazu sagen, ein Performer wollte nach jedem Experiment so sein, wie das Tier nur hier wollte er der Donut sein. Ich musste so lachen, dass mir schon der Bauch weh tat.
Experiment 5: Fühlen - Pflanze
Nicht nur Tiere und Menschen haben Sinnesorgane, sondern auch Pflanzen. Die Performer*innen wurden zu verschiedenen Planzen und schlugen sich umeinander. Der Baum war auch hier der Lacher für viele.
Ich könnte jetzt noch viel mehr schrieben, dieses Stück war einfach ein Komplettpaket aus Lerninhalten, Tanz und einer Menge Humor.
Eine Sache möchte ich noch extra betonen. Ich fand es großartig, wie die Techniker*innen auch ein Teil der Performance waren und nicht nur schmückendes Beiwerk, wie es leider oft ist. Das Gespann aus Performer*innen und Techniker*innen waren so rund wie mein Schneemann am Anfang des Stückes. Besondere Momente gab es, weil die Techniker*innen zwischen den Experimenten die Bühne vor unseren Augen umgeräumt haben wie z.B. die Lichtstäbe in eine andere Position gerückt haben und somit die Bühne ganz anders erschien. Ein weiterer spannender Moment war, als einer der Techniker*innen mit einer Gitarre Teil der Show wurde und live für uns gespielt hat und damit die Performer*innen unterstützt hat in deren Experiment. Sie haben somit nicht nur die Musik an den Geräten bedient, sondern auch hautnah Musik für uns gemacht. Jeder hatte damit seinen kleinen goldenen Moment und alle waren gleichberechtigt. Es verschwamm damit die klassischen Rollen Performer*innen und Techniker*innen. Sie waren eine Gemeinschaft, die gemeinsam stark war.
Ich war hellauf begeistert und bin mit einem breiten Grinsen aus der Vorstellung gegangen. Auf so eine schöne und unkomplizierte Art und Weise kann man den Kindern die Bedeutung der Sinnesorgane rüberbringen und auch zeigen, dass jeder Mensch in einer Produktion eine ganz wichtige Rolle spielt. Denn ohne Rückenhalt der Techniker*innen kann es nicht funktionieren. Generell finde ich die 3 Performer*innen waren ein großartiges Team und freue mich jedes Mal, wenn sie zusammen ein Projekt machen. Bitte weiter so. Ich bin ein Fan!