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Offensive Tanz

© Dajana Lothert

Tanzbotschafterin Ophelia Onyeukwu

Eindrücke vom Tanz im August Festival 2025

Ein Erlebnisbericht

Mein Besuch von vier Stücke des internationalen Tanzfestivals „Tanz im August“ in Berlin zeigte mir, wie unterschiedlich moderne Tanzperformances sein können. Jedes einzelne hat mich auf seine eigene Art berührt.

Die Tanzbotschafter*innen bei Tanz im August © Jasmin Thometzek

 „Dambudzo“ von Nora Chipaumire

Ich habe keine Worte für die Energie, die „Dambudzo“ mit sich brachte…Diese Tanzperformance mit Soundinstallation hat meinen Tanz -und Performancehorizont massiv erweitert. Durch die Kraft der Tänzer:innen und der Lautstärke der Musik, wurde die umwerfende Energie im Raum innerhalb von zwei Stunden immer intensiver.

Das Publikum konnte sich frei in den Räumen der Alten Münze bewegen, die Tänzer:innen auch. Sie wechselten Raum und Ort, waren mal zusammen, mal zwischen den zuschauenden Menschen verteilt. Wir als Publikum waren zunächst der intensiven Reizüberflutung unterlegen, doch „Dambudzo“ machte die Reizüberflutung zur Normalität. Die Tänzer:innen füllten die Räume mit unbeschreiblich kraftvollen Choreographien, mehrstimmigen Gesängen, Soundinstallationen und Interaktionen mit uns zuschauenden Menschen. Die Distanz zwischen den Performer:innen und uns war nah; oft bestand direkter Augenkontakt und ein ehrliches Lächeln dazu, welches von beiden Seiten hervorging. Doch gleichzeitig wirkten die Performer:innen so unnahbar. Sie erzählten gemeinsam eine Geschichte über Tradition, (Neo-)Kolonialismus und Rassismus. “Dambudzo“ heißt auf Shona „Ärger“. Ärger wegen der Vergangenheit und der Gegenwart.

Das Stück legte den Fokus auf Tradition, Kultur und das wahre Menschensein. Die durch Bewegungen erzählenden Geschichten der Körper waren einfach echt. Sei es das Lehm-an-die-Wand-werfen, das choreografierte Tanzen als ganze Gruppe oder die nahtlose Verbindung von Tanz und Gesang. Ich habe keine Worte für die Energie, die „Dambudzo“ mit sich brachte…man muss es einfach hautnah erlebt haben.

© Dajana Lothert

„Tournament“ von Adam Lindner, Ethan Braun und dem Solistenensemble Kaleidoskop

Die Performance im Radialsystem beinhaltete Tanz und Live-Musik von Geigen und Celli. Die Kombination der beiden Kunstrichtungen war sehr gelungen. Die Töne passten sich an die Bewegungen der Tänzer:innen an und die Bewegungen an die Töne. Es war eine vollkommene Harmonie, auch wenn ab und zu Dissonanzen gespielt wurden. Die Nähe zwischen den Musiker:innen und den Tänzer:innen war mal eng und dann wieder nicht vorhanden. Besonders berührt haben mich die einzelnen Duos von jeweils Tanz und Musik, denn sie waren eine eigene Harmonie für sich und doch gleichzeitig in gesamter Harmonie zwischen allen. Gegen Ende der Performance legten die Musiker:innen ihre Instrumente ab und wechselten ihre Kostüme. Es erklang nur noch elektronische Musik. Die neuen Kostüme waren bunt. Nun sahen alle Performer:innen gleich aus. Alle bewegten sich miteinander zu den gleichbleibend schnellen Tönen. Obwohl alle sich durch die Kostüme ähnelten, durchmischten sich beide Gruppen von Performer:innen nicht. Der Schluss war eine Abschlussbewegung. Geplant und doch überraschend.

Mich berührte während des Zuschauens die enge Verbindung zwischen Live-Musik und Tanz. Doch auch die jeweiligen Kunstrichtungen für sich faszinierten mich. Beim Tanz, die einzelnen choreographierten Bewegungen, bei der Musik die individuellen vorgegebenen Stücke für jedes Instrument. Als Publikum geriet man in eine Trance, durch die Töne und die schnellen Bewegungen.

© Jubal Battisti

 „Suan“ von Nguyen + Transitory

Das dritte Tanzstück „Suân“ war ein enormer Kontrast zu „Dambudzo“. Die Tanzqualität von „Suân“ unterschied sich fundamental. Hier bewegten sich die fünf Tänzer:innen ruhig, in ähnlich bleibenden zarten Bewegungen. Der Fokus lag auf dem Feingefühl der Hände und deren große Bedeutung beim Tanzen.

Die fünf Tänzer:innen traten gemeinsam oder im Solo zur Live-Musik auf. Das Publikum saß in Form einer Arena, welche die Bühne und den Tanz nahbarer machten. Das gefiel mir sehr. Die Kostüme waren traditionelle Gewänder, während der Tanz thailändische Tradition und Moderne verwob.

Zwei intime Momente, einmal zwischen zwei Frauen und dann zwischen zwei Männern berührten mich sehr. Sie waren ebenfalls in der zarten Qualität des Tanzstückes, doch mit mehr Handlung. Die Beziehung der jeweiligen Paare wirkte geschichtenerzählend.

Ein weiteres Highlight war für Tanzbotschafterin Jasmin und mich das Ende, bei dem die Tänzer:innen uns als Publikum zum Tanzen einlud. So hinterließ das Stück die Message: Let’s dance together!

© Dajana Lothert

„Jungle“ (Korea National Contemporary Dance Company/ Kim Sungyong)

Das zeitgenössische Tanzstück des koreanischen Choreographen und Tänzers Kim Sungyong basierte auf seiner Philosophie, dass „Tanz eine Sprache ist, die nicht mit Worten beschrieben werden kann“. Genau das empfand ich, nachdem ich sein Stück gesehen hatte.

Das Stück war voller Energie, die durch die sich stetig bewegenden Körper getragen wurde. Die eine Stunde der Performance fühlte sich zeitlos an. Als Publikum konnte man dem Sog des Stückes kaum entgehen. Das Stück erzählte von Existenz, Ausgrenzung, Gemeinsamkeit, Gesellschaften und einfach vom Leben.

Die sechzehn Tänzer:innen bewegten sich mit einer fortlaufenden Kraft und Spannung bis in die Fingerspitzen durch die Performance. Manche Bewegungen waren so akkurat und erinnerten an Ballettschritte, andere Bewegungen waren Improvisation und fließend. Oft standen die Tänzer:innen in enger Beziehung zueinander, doch gab es keinen Kontakt und trotzdem bestand eine enge Verbundenheit untereinander.

Das Haus der Berliner Festspiele gab ihnen eine große Bühne auf der Nebeleinsätze und beeindruckende Lichteffekte möglich waren, die das Stück zu einem Ganzen machten.

Ich bin immer noch sehr beeindruckt von der Performance und nehme für mich selber daraus eine Menge mit.

© Dajana Lothert

Mein Eindruck:

Aus allen vier Stücken des „Tanz im August Festivals“ konnte ich viel lernen. Nicht nur neue Tanzbewegungen, sondern auch neue Denkweisen über gesellschaftliche Themen. Ich finde es eine wunderbare Gelegenheit, durch das Festival Tanzstücke aus verschiedenen Teilen der Erde zu sehen. Und letztlich zeigt es mir, dass Tanz eine Sprache ist, die wir alle teilen und die uns verbindet. Mit Tanz drückten alle Künstler:innen der vier Stücke ihre Gefühle, Erlebnisse und Gedanken aus.